Informationen zu den neuen Kirchenfenstern

Die neuen Fenster der Abteikirche - Zahlen, Daten, Fakten
Die Idee zur Entstehung der Komposition für die Obergaden-Fenster- von Dr. Mahbuba Elham Maqsoodi

Die Idee für die Komposition des Hintergrundes der Obergaden-Fenster basiert auf meinen Bild ‚Die Einzelnen gehen ihren Weg‘ aus dem Jahr 2008. Das abstrakte Gemälde wurde von mir im Jahr 2012 auf Glas übertragen, mit den Bildtitel ‚Ist das der Weg‘. Aus diesem abstrakten Werk entstammt das Ornament für die vierzehn Obergaden-Fenster der Tholeyer Abteikirche. Es sind sieben Fenster zur Nordseite und sieben Fenster zur Südseite. Wobei jedes der vierzehn Fenster ein unterschiedliches Ornament in seinem Muster aufweist.

Das jeweilige Ornament ist in der Mitte des Rundbogenfensters mit zweibahnigem Maßwerk positioniert.

Die figurativen Darstellungen im Zentrum der jeweiligen Bahnen sind den Heiligen aus dem Alten und Neuen Testamet gewidmet.

Das Ensemble zur Obergaden-Spitzbogenfenster beinhaltet achtundzwanzig figurative Darstellungen.

Im Rahmen der farblichen Komposition habe ich mich für drei Farbtöne entschieden: Blau, Rot und Gelb. Diese variieren in ihrer Farbsättigung. Die gelben Farbtöne befinden sich immer im Zentrum des Bildes und sind jeweils von der Farbe Blau oder Rot umgeben. Der farbliche Dreiklang findet im Wechsel statt und befindet sich immer gegenüber stehend.

Im konkreten bedeutet das:

Einem blaugelben Bild folgt ein rotgelbes, danach wieder ein blaugelbes. Diese Reihenfolge zieht sich auf der jeweiligen Seite durch. Das Ganze erfolgt in einem entgegengesetzten Farbspiel. Einem blaugelben Farbton ist auf der gegenüberliegenden Seite ein rotgelber Farbton entgegengesetzt.“

Notizen zur künstlerischen Arbeit - von Dr. Mahbuba Elham Maqsoodi

„Bereits in der Wettbewerbsphase habe ich die Abteikirche zum ersten Mal besichtigt. Es ist von großer Bedeutung bei einer künstlerischen architekturgebundenen Arbeit die räumlichen Gegebenheiten vor Ort zu kennen. Es genügt nicht einen Plan zu begutachten und auf dieser Basis die ersten Entwürfe zu erarbeiten. Die künstlerische Herausforderung beinhaltet eine vielschichtige Komplexität, welche zu lösen ist.

Was habe ich in Tholey vorgefunden? Einen spirituellen Ort, einen historischen Ort, eine frühgotische Architektur. Die gotischen Spitzbogenfenster mit unterschiedlichen Maßwerk haben eine Besonderheit. Ihr Maßwerk zeigt unterschiedliche geometrische Formen auf. Es sind Fensterformen mit Ornamenten, einem Dreipass, einem Vierpass von unterschiedlichen Konstellationen. Die Form von Fischblasen und unterschiedliche Anzahl von Nonnenköpfen sind nur einige Varianten der Ornamente. Die Spitzbogenfenster sind zweibahnig sowie dreibeinig. Sie fügen sich in die Architektur des Bauwerkes und bilden eine Gesamtheit. Sie richten sich in vier Himmelsrichtungen aus. Durch das einfallende Licht verändert sich die Wahrnehmung für den Raum. Die Wahrnehmung ist nicht beständig. Und sie ist so vielfältig, wie das Licht selbst. Daher ist es von Bedeutung ein Gefühl für die Architektur zu entwickeln.

Ein weiterer Faktor ist das Medium Glas. Für mich ist Glas ein einzigartiges Material, mit dem ich mich als Künstlerin in vielerlei Hinsicht auseinander setzen darf. Besonders mundgeblasenes Echtantikglas ist eine Besonderheit: ein Material, welches in einer Glashütte im Feuer hergestellt wird. Ein Material, das auf einer Seite hart und auf der anderen Seite zerbrechlich ist. Ein Material, welches es zu verstehen gilt, um es richtig einzusetzen und welches ein unendliches Farbschema in sich trägt. Die Übersetzung einer Leinwandarbeit auf das Medium Glas ist ein wahrer Schaffensprozess. Vereinfacht erklärt besteht die Aufgabe darin, die Energie des Lichtes einzufangen und diese durch die Entfaltungskraft des Glases widerzugeben.

Ein Verständnis für das Medium Glas und die Architektur des Raumes sind bedeutende Elemente für ein erfolgreiches Gelingen.

Der elementarste Faktor ist die Entwicklung einer Idee, aus der eine zeitgemäße Komposition entsteht. Die Übertragung der Idee auf eine Leinwand und schlussendlich die Übersetzung auf Glas sind die letzten Konsequenzen dieser Handlung. In einer umfassenden Recherche zum jeweiligem Thema besteht der wesentliche Merkmal der ersten Arbeitsphase.

Es stellen sich Fragen wie: Was ist die Kernbotschaft? Wie wurde die Kernbotschaft in der Vergangenheit wahrgenommen? Wie wird sie gerade gelebt und wie könnte diese sich weiter entwickeln?

Als nächstes folgen die ersten Skizzierungen zu den Überlegungen. Dabei ist der kompositorischer Aufbau der erste Schritt. Dieser beginnt mit der Erarbeitung des geometrischen Schemas sowie mit der Disposition der einzelnen Figuren. Es folgt die Erschaffung der imaginären Verbindungslinie zwischen den Händen der gestikulierenden Figuren. Die Gliederung der Komposition in Bildebenen – oder die Skizzierung von Bewegung und Gegenbewegung im Aufbau der Komposition – sind wichtige Arbeitsschritte in der zeichnerischen Phase.

Die Entwicklung eines Farbschemas für die erstellte Komposition findet parallel zu der Skizzierung statt. Durch die Staffelung der farblich unterschiedlich definierten Ebenen werden Tiefenräume geschaffen. Kontraste werden abgemildert bzw. verbunden mit den Zwischentönen. Farbe erfüllt eine symbolische Funktion und soll eine Stimmung hervorrufen. Dies ist sicherlich der bedeutendste Aspekt in der Farbkomposition. Die Auflösung der Konkretion in die Abstraktion ist ein ständig begleitender Ablauf im zeichnerischen und malerischen Prozess.

Ein weiterer bedeutender Aspekt ist die Verbindung zwischen der künstlerischen Gesamtkomposition, dem Maßwerk der gotischen Spitzbogenfenster und der ganzen Architektur im Innenraum der Abteikirche. Ohne Zweifel verändern die neu erschaffenen Künstlerfenster die Atmosphäre im spirituellen Raum. Diese Veränderung unterliegt einem einzigem Wunsch: einer gefühlvollen Harmonie zwischen allen bestehenden Elementen.

Oft gibt es für einen Künstler einen Anlass oder ein seelisches Verlangen etwas zu erschaffen, im besten Fall wird dieses Bedürfnis gestillt und der Künstler verspürt eine gewisse Harmonie. Dieses Prozess begleitet mich schon mein ganzes Leben. Ich bin sehr glücklich und dankbar dafür. Die nicht endende Suche danach betrachte ich als ein Geschenk.

Im künstlerischen Wirken sehe ich in erster Linie eine Initiierung. Die daraus resultierte Schlussfolgerung überlasse ich grundsätzlich dem Betrachter. Somit bleibt der Interpretationsweg stets offen. Der Betrachter wird mit einer gegenständlichen Darstellung konfrontiert. Eine Konkretisierung ermöglicht eine greifbare Deutung. Die abstrakte Auflösung ist einem ständig präsenten Gefühl geschuldet. Einem Gefühl, das hindeutet, dass es hinter jeder Fassade wesentlich mehr zu verspüren ist, als es auf den ersten Blick scheint. Diesen schmalen Pfad des Empfindens versuche ich freizusetzen. Im Idealfall verspürt der Betrachter ein Gefühl – und erforscht es.“

Verglasungsarbeiten am Westfenster

Das Westfenster wurde fertiggestellt und gereinigt und die Lüftungsflügel werden fertiggestellt

Derzeit wird die künstlerische Verglasung in den nördlichen Obergaden eingebaut.

Schutz der künstlerischen Verglasung

Um die neue Verglasung vor Witterungseinflüssen zu schützen, wurde eine neue Schutzverglasung eingebau

Erst danach wurde das erste künstlerische Fenster von innen eingesetzt

Einbau des Westfensters

Die künstlerische Verglasung wird in das Westfenster WI eingebaut.