Monastische Hintergründe – aus der Regel des Heiligen Benedikt

Die Regel des Heiligen Benedikt hält den heutigen Christen dazu an, den Leitspruch „ora et labora“ als einen Weg anzusehen, die Nächstenliebe zur Perfektion zu bringen, was so viel bedeutet wie: näher bei Gott zu sein. Für den Heiligen Benedikt ist das Gebet die Quelle, aus der er die Kraft für die Arbeit schöpft. Und die Arbeit ist die Umsetzung und die Frucht des Gebetes. Wahr ist, dass das Gebet das Herz des Klosterlebens ist. Jedoch sah der Heilige Benedikt auch die Notwendigkeit der Arbeit, um das Leben der Gemeinschaft zu erhalten. Die Regel warnt gar davor, dass Faulheit der Feind des Geistes sei (vgl. Philibert Schmitz, Règle de Saint Benoit n. 48, Turnhout-Belgium: Brepols 1987, p.111). Daher weihen die Mönche gewisse Stunden der Arbeit, in der Vergangenheit als körperliche Arbeit bezeichnet, und andere Stunden dem Lesen. Wichtig ist dabei, dass die Zeiten des öffentlichen liturgischen Gebetes die Zeiten für Lesen, Studien und körperliche Arbeit bestimmen – nicht umgekehrt. „Die Arbeitszeit der Mönche sollte so geregelt sein, dass sie in einem ausgewogenen Verhältnis zur geistlichen Lesung und zum Gebet steht und sich nach Möglichkeit in den Tagesablauf des klösterlichen Lebens einfügt.“ (vgl. Die Beuroner Benediktinerkongregation, Directorium Spirituale, X., Nr. 43, Maria Laach 2003).

Gebet und Arbeit sind im spirituellen Leben der Benediktiner in den Rahmen des kirchlichen Apostolates, d.h. den Dienst in der Kirche eingebunden. Das Leben des Heiligen Mönches Martin von Tours, des Patrons der Beuroner Kongregation (vgl. Direktorium für die Feier der Liturgie in der Beuroner Benediktinerkongregation: Beuroner Kunstverlag, 2009 S. 96) ist ein leuchtendes Vorbild für die gelungene Verbindung von Mönchtum und Apostolat. In eben jener Kongregation ist jegliche Arbeit nie ein Ausdruck von Individualismus, sondern erfährt ihren eigentlichen Wert erst im Rahmen eines gemeinschaftlichen Lebens und der Organisation einer solchen Gemeinschaft.

Im Gegensatz zu vergangenen Tagen ist „Arbeit“ heutzutage nicht mehr nur auf körperliche Arbeit beschränkt, sondern kann vielmehr körperliche wie geistige Dinge bezeichnen: zum Beispiel geistige Führung oder Bildung, sei sie nun wissenschaftlich oder künstlerisch. „In den Klöstern der Beuroner Kongregation sind im Rahmen der gemeinschaftlichen Ordnung die verschiedenartigsten Aufgaben und Arbeiten möglich, seien es körperliche oder geistige, seelsorgliche oder schulische, wissenschaftliche oder künstlerische.“ (vgl. Directorium Spirituale, X., Nr. 41). Was wirklich zählt ist der Geist, in dem ein Mönch seine Aufgabe erledigt, also in Liebe, Gehorsam und Demut. Er möge sich stets daran erinnern, dass er als Mönch in einer Gemeinschaft lebt (ebd. Nr. 44).