Der Namensgeber – Erinnerungen an Dr. Petrus Borne OSB

Dr. Petrus Borne

Petrus Borne wurde am 12. Februar 1910 in Prümzurlay in der Eifel geboren. Nach seinem Abitur im Jahre 1929 trat er in den Benediktinerorden St. Matthias in Trier ein. Er studierte Philosophie und Theologie und wurde 1936 zum Priester geweiht. Nach seinem weiteren Studium an der Ordenshochschule Sant‘ Anselmo in Rom wurde ihm der Doktor-Titel verliehen.

1947 in St. Matthias zum Abt gewählt, griff er bereits im folgenden Jahr Anregungen auf, mit einem Teil des Trierer Konvents die aufgehobene Abtei St. Mauritius in Tholey wieder zu besiedeln.

Dr. Petrus Borne, der erste Abt von Tholey nach der Wiederbesiedlung, beschritt den Weg Christi durch seine Berufung als Benediktinermönch. Er wurde sicherlich auf die eine oder andere Art und Weise vom Beispiel des Heiligen Martin von Tours inspiriert.

Als Nachfolger von Pater Gredt am Sant‘ Anselmo Lehrstuhl für Philosophie in Rom war er elf Jahre lang Teil der wissenschaftlichen Forschergemeinschaft. Zurück in Tholey hielt er nicht nur Vorträge in Philosophie und Theologie, er beteiligte sich auch an den Bemühungen, die Universität des Saarlandes zu gründen (vgl. Sabine Schwickert, Leben und Werk des Tholeyer Abtes Dr. Petrus Borne. Wissenschaftliche Prüfungsarbeit, Universität Koblenz-Landau, Abteilung Landau, 25 Oktober 1996, Inhaltsverzeichnis, S.36).

Als Abt bereicherte Dr. Petrus Borne nicht nur das innerklösterliche Leben, sondern auch die ganze Gemeinde Tholey. Darüber hinaus konnte sich Abt Petrus Borne der finanziellen, moralischen und wohlgesinnten Unterstützung der Regierung des Saarlandes gewiss sein. Diese Unterstützung manifestierte sich unter anderem in der Anwesenheit hoher politischer Vertreter zu eben jenem 25-jährigen Jubiläum. Der damalige Justizminister Alois Becker betonte bei dieser Gelegenheit die Verdienste von Abt Petrus im Zusammenhang mit dem Wiederaufbau der Abtei (vgl. Saarbrücker Zeitung vom 13. März 1972).

Der „Paulinus“ schrieb in seiner Ausgabe vom 14. März 1976: „Abt Petrus hatte viele Freunde, nicht nur an der Saar, sondern auch in Luxemburg, Frankreich und in Italien.“ Unter anderem durch die Bemühungen von Abt Dr. Petrus Borne konnte Tholey einen freundschaftlichen Kontakt nach Frankreich aufbauen: Gegründet wurde seinerzeit die Deutsch-Französische Begegnungsstätte, deren Symbol bis heute der Schaumbergturm darstellt. Für diese Bemühungen erhielt Borne 1973 den Titel des „Chevalier de la Légion d’Honneur“, Ritter der Ehrenlegion. Darüber hinaus wurde die Abtei unter Abt Petrus auch ein Treffpunkt verschiedenster Konfessionen. Hierzu schrieb der „Paulinus“ (ebd.): „Seine ökumenischen Kontakte reichten von deutschen Protestanten über französische Altkatholiken bis zum unierten Patriarchen von Babylon im Irak.“

Auch als Abtpräses war Petrus Borne allseits sehr geschätzt und anerkannt. So schrieb der „Paulinus“ (ebd.): „Sein Herz war zu weit, sein Verstand zu klar und sein lebendiger Glaube zu tief, als dass man ihn in gängige Kategorien von konservativ oder progressiv einordnen könnte.“

Trotz der anspruchsvollen und zeitraubenden Arbeit durch die verschiedenen Ämter lagen Abt Petrus die klösterlichen Pflichten bis zu seinen letzten Lebensjahren sehr am Herzen. Er nahm sich nicht nur Zeit für die „lectio divina“ (Lesung, Meditation, Gebet, Verweilen im Dialog mit Gott), es verging auch kein Tag, an dem er nicht eine Seite aus Thomas von Aquins Summa Theologica las (vgl. Tholeyer Brief, Abtei St. Mauritius Tholey, Ostern 1978, S.11). Er liebte seine Gemeinschaft und seine Gemeinschaft liebte ihn. Er besuchte sogar trotz seines schlechten Gesundheitszustands infolge einer Operation die Abtei zu Weihnachten 1975, um mit der Gemeinschaft der Mönche zu Tisch zu sein, die Ruhe zu genießen und die Vesper mit zu feiern. Es sollte sein letztes Weihnachtsfest sein (ebd. S. 12). Er starb am 3. März 1976 in Homburg an der Saar.

Dr. Petrus Borne lebte das benediktinische Prinzip „ora et labora“ als Mönch, Philosophieprofessor, Abt und später als Abtpräses der Beuroner Benediktinerkongregation.

Für die Mönche der Benediktinerabtei zu Tholey ist der verstorbene Abt auch heute noch ein großes Vorbild. Um ihm ein ehrendes Andenken zu bewahren und die Abtei in seinem Sinne weiter zu entwickeln, wurde das „Dr. Petrus-Borne-Zentrum“ als sZentrum für Spiritualität und Kultur errichtet.

Dr. Petrus-Borne-Zentrum – der Grundgedanke, die Ziele

Die geistigen und kulturellen Aspekte des Menschen sind zwar unterschiedlich, ergänzen sich aber gegenseitig. Beide sind in der Lage, die Wahrheit der Realität abzubilden. Abt Dr. Petrus Borne selbst unterschied vier Arten der Wahrheit: logische, ontologische, künstlerische und göttliche Wahrheit (vgl. Gedenken – Abt Petrus Borne, Cat. 1, Abtei-Tholey Archiv). Göttliche Wahrheit wird durch das Geschenk des Glaubens erlangt, das vom spirituellen Aspekt des Menschen genährt wird, wohingegen die anderen drei Arten durch den Verstand erlangt und in gewisser Weise in der kulturellen Dimension des Menschen gepflegt werden.

Die spirituellen und kulturellen Aspekte des menschlichen Lebens entsprechen dem, was „fides et ratio“ (Glaube und Vernunft) als die zwei Flügel bezeichnet, mit denen sich der menschliche Geist zur Betrachtung der Wahrheit erhebt. So schreibt Papst Johannes Paul II im Jahr 1998 die einleitenden Zeilen der Enzyklika. Das Spirituelle und das Kulturelle im Menschen gehören zusammen. Der Heilige Thomas von Aquin fasst es wie folgt zusammen: „Die Wahrheit, die die menschliche Vernunft fähig ist, zu erkennen, kann der Wahrheit des christlichen Glaubens nicht entgegenstehen.“ (vgl. Summa contra gentiles, I, 7).

Vor diesem Hintergrund ist die Intention des Dr. Petrus-Borne-Zentrums, die Harmonie zwischen spiritueller Reife und werthaltiger kultureller Bildung in unserer modernen Gesellschaft zu fördern. Dieses Ziel wird durch die Regel des Heiligen Benedikt inspiriert, die geschrieben wurde als Leitfaden für jedermann, mit dem Ziel, den Menschen zu jeder Zeit mit Gott in Kontakt zu bringen. Die Veranstaltungen des Zentrums sollen nicht nur Schülern und Studenten sondern auch Frauen und Männern, Arbeitern und Angestellten, Lehrern und Professoren offen stehen – kurzum allen, die sich für den christlichen Glauben interessieren.

Das Zentrum dient in erster Linie der Information und dem Bildungsangebot sowohl lokaler wie auch internationaler Öffentlichkeit. Um ein möglichst breites Spektrum abzudecken, wird angestrebt sowohl mit regionalen als auch mit weltweit agierenden Universitäten zusammen zu arbeiten.

Darüber hinaus soll die in der Benediktiner Regel (vgl. Die Beuroner Benediktinerkongregation S. 75 zu Kap. 53) ausdrücklich erwähnte Gastfreundschaft neu bekräftigt werden: Menschen, die nach Wahrheit und Werten oder nach Ruhe und Frieden suchen, sollen die Möglichkeit erhalten, als Gäste das Leben der benediktinischen Mönche kennenzulernen und mit zu erleben. Sie sollen die Chance haben zu erfahren, dass das Kloster ein wohltuender Ort der Stille, der Gottesbegegnung und des Friedens ist (ebd. S. 139). Diese Erfahrung mag zunächst vielleicht nur eine Ablenkung vom hektischen Alltag sein, kann aber in die Zukunft gesehen durchaus auch dazu beitragen, neue Mitglieder für den Orden zu gewinnen. Denn nur eine sich erneuernde monastische Gemeinschaft kann der Abtei und auch der Gemeinde neue Impulse geben und sie bereichern.

Am 12. Februar 2010 wurde das Dr. Petrus-Borne-Zentrum mit einem Kolloquium zum Thema „Die Fragilität des menschlichen Wesens“ eröffnet. Professoren der „University of Saint Thomas“ (Angelicum, Rom), der Universität „Notre-Dame de la Paix“ (Namur, Belgien), der Universität des Saarlandes und weitere deutsche Professoren nahmen teil. Dieses Datum fiel auf den sich zum 100. Mal jährenden Geburtstag des verstorbenen Abtes Petrus Borne.