Grimo-Testament

Adalgisel Grimo († nach 634) war Diakon und Angehöriger des austrasischen Adels. Geschichtlich bedeutsam ist er vor allem durch sein am 30. Dezember 634 verfasstes Testament, die älteste bekannte frühmittelalterliche Urkunde zwischen Maas und Rhein. Sie gibt wichtige Aufschlüsse über die Siedlungs-, Verfassungs-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte dieses Raumes.

Adalgisel Grimo ist mit einem Doppelnamen benannt, wie er gelegentlich in frühmittelalterlichen Quellen auftaucht; „Grimo“ ist die Koseform einer größeren, mehrsilbigen Namensform. Er wurde an der Bischofskirche von Verdun erzogen und ausgebildet. Er war Diakon unter Bischof Paulus von Verdun und gründete die Abtei Tholey. Er verfügte über einen umfangreichen Streubesitz zwischen Maas und Rhein, den er in seinem Testament unter anderem der Abtei St. Maximin bei Trier und dem Kloster von Longuyon vermachte.

Grimos Besitz lernen wir genau aus seinen testamentarischen Verfügungen kennen. Zum Haupterben setzt er das Kloster St. Agatha in Longuyon ein. Einmal sagt er, dass es all sein Vermögen (sofern er nicht andere Personen oder Institutionen damit bedenkt) erhalten soll, an anderer Stelle zählt er auf: Die beiden Dörfer Longuyon und Noers, Anteil an dem Dorf Montmédy, den Bach Iré (alle im nördlichen Lothringen), zwei Drittel des Ortes Temmels an der Mosel und Weinberge an der Mosel. Weiterhin erhalten

  • die Pfarrei St. Peter in Temmels ein Drittel des gleichnamigen Dorfes Anteil an Weiten und Besitz in Kell;
  • die Domkirche in Verdun seinen Anteil an dem Dorf Mercy;
  • die Dörfer Iré und Wichimonhiaga, dessen Lage bis heute nicht identifiziert werde konnte;
  • das castrum Tholey mit der dort von ihm erbauten Kirche im dem Ort Domo;

Es soll uns nicht stören, dass von den beiden letztgenannten Orten gesagt wird, sie seien in den Vogesen gelegen; denn bis ins 10. Jahrhundert herein gilt diese Landschaftsbezeichnung auch für das Gebiet nördlich der eigentlichen Vogesen bis zum Warndt und der oberen Nahe.

  • Das Kloster St. Maximin in Trier erhält die Hälfte des Ardennenortes Bastogne mit Kuhherden und -hirten und Weinbergen an der Lieser;
  • die St. Peter- und Vitoniuskirche in Verdun mit einer Leprastation Grimos Anteil an Taben an der unteren Saar;
  • die Armengenossenschaft in Trier ein Haus in Trier;
  • die Armengenossenschaft in Tours an der Loire 600 Schillinge;
  • die Leprakranken in Metz ein Viertel des Dorfes Failly;
  • die Leprakranken in Maastricht Anteil an dem Dorf Fémalle;
  • die Armengenossenschaft in Huy an der Maas das Dorf Han an der Ourthe in den Ardennen;

Grimos Neffen Anteil an dem Dorf Beuveille; die St. Georgskirche in Amay an der Maas zwischen Huy und Lüttich seine dortigen Weinberge; die Armenstiftung Mercy 4 Mühlen an dem Bach Crusnes im nördliche Lothringen.

Grimos Grundbesitz bildete nicht eine zusammenhängende Fläche, sondern war weit gestreut zwischen Maas, Ardennen und Hunsrück, wobei seine Dörfer und Kirchen in Gemenge mit denen anderer Adliger lagen.

Verbreitungsgebiet von Grimos Grundbesitz