Die Verehrung des heiligen Mauritius als Ritterheiliger und Reichspatron

Wer war der Heilige? Ursprung seiner Verehrung

In der Zeit um 1500 Mauritius wird mit seinen Gefährten als Märtyrer verehrt. Er war primicerius, also Anführer der Thebäischen Legion, gegen Ende des 3. Jahrhunderts im Lager bei Agaunum (Wallis/Schweiz) hingerichtet worden. Sein Festtag wird am 22. September begangen.[1]

Als älteste Quellen für das Martyrium des Mauritius und seiner Gefährten Exuperius und Candidus dient zunächst die passio acaunensium martyrum des Bischofs Eucherius von Lyon, gestorben um  454, sowie die eigenständige, vielleicht auch schon im 5. Jahrhundert entstandene passio anonyma. Nach Bischof Eucherius wurde demnach um das Jahr 300 in der Regierungszeit des Kaisers Diokletian (284-305) auf Befehl seines Mitkaisers Maximian (286-305, 307-310) ein hoher römischer Offizier mit der von ihm befehligten Heeresabteilung wegen ihres christlichen Glaubens bei Agaunum, dem heutigen St. Maurice (St. Moritz/ Schweiz), hingerichtet.

Gemäß der Legende waren alle Soldaten dieser Legion bereits Christen und stammten aus der ägyptischen Thebais, dem Umland der Stadt Theben. Bei der Verlegung in das Reichsgebiet nördlich der Alpen verweigerten die 6600 Soldaten der Thebäischen Legion im Engnis bei Agaunum den Gehorsam. Sie bekannten sich zu ihrem Glauben und gingen somit lieber in Tod als Christus zu verleugnen und dem Kaiser als Gottheit zu opfern. Ohne Gegenwehr haben sich die Offiziere und die Mannschaften als Märtyrer für ihren Glauben hinrichten lassen.

Um das Jahr 380 hat Bischof Theodor von Octodurus (aufgegebene Siedlung bei Martigny) die Gebeine der Märtyrer erheben lassen. Darüber ließ er eine Kirche erbauen. Diese wurde bald ein großer Wallfahrtsort, da durch zahlreiche Wunder die Verehrung des hl. Mauritius und seiner Gefährten aufblühte. 515 gründete der junge Burgunderfürst und spätere König Sigismund, die Abtei Saint Maurice und errichtete eine Basilika, wodurch der Mauritiuskult und in der Folge das Pilgerwesen weiter stark belebten wurde.

Im Jahre 534 kam das Burgundergebiet und damit auch die Abtei St. Mauritius an das fränkische Königshaus. Damit wurde St. Mauritius auch Hausheiliger der Merowinger und später der Karolinger. Ab 824 wurde St. Maurice ein Stift, das den Kult des hl. Mauritius aktiv verbreitete. Durch die Lage der Abtei am Fuße des Großen St. Bernhard, also am Schnittpunkt bedeutender europäischer Verkehrsstraßen, verbreitete sich der Kult des hl. Mauritius schnell und weiträumig. So bestehen heute noch allein im heutigen Frankreich über 650 Patrozinien des Heiligen.

[1] Sauser, E.: Biographisch-Bibliographischen Kirchenlexikon, Band XVII, Herzberg 2000, Spalte 918-919

Das Ideal des Streiters Christi

Die Beliebtheit des heiligen Mauritius ist in seiner Funktion als Soldatenheiliger, dem Streiter Christi begründet. Insbesondere für die burgundische und fränkische Führungsschicht des Frühmittelalters war ein „Kriegerheiliger“ sehr attraktiv. Dieser entsprach der Lebenswirklichkeit dieser wenig friedvollen Epoche.