Der Kult des hl. Mauritius bis zum 13. Jahrhundert

Der hl. Mauritius wird bereits bei Gregor von Tours (538/9-594), dem großen Histograph des Frankenreiches, in dessen gloria martyrum erwähnt. Daraus resultiert auch die spätere Aufnahme in das Martyrologium Hieronymianum. Der Popularität des Heiligen schadet auch der Übergang der Macht an die Karolinger nicht, was durch seine Stellung als Militär-Heiliger in den karolingischen laudes regiae beweist. Die laudes regiae stellen eine Sonderform der Akklamationen dar, in welcher ein Huldigungsruf auf Christus, ein Heilruf auf die Herrscher und ein Bittruf an die Heiligen vereinigt wurden. Dies war eine typisch fränkische Schöpfung des 8. Jahrhunderts. Sie wurden in der Liturgie an Hochfesten zu Ehren der geistlichen und weltlichen Herrscher im Wechselgesang von Schola und Chor vorgetragen.[1]

Im Jahre 888 wurde der heilige Mauritius auch offizieller Schutzheiliger des Königreiches Burgund. Unter Kaiser Otto I. kommt es zu einer besonderen Hinwendung der deutschen Kaiser zum heiligen Mauritius. Der Grund hierfür war, dass Otto den Sieg über die Ungarn auf dem Lechfeld vor Augsburg am 10. August 955 dem Beistand des heiligen Mauritius zusprach. Dieser entscheidende Sieg wurde zu einem eigenen Festtag, der 962 vom Papst bestätigt wurde. Kaiser Otto widmete das im Jahre 937 gegründete Kloster und das 967 endgültig eingerichtete Erzbistum Magdeburg. Auch unter den Saliern und den kommenden Herrschergeschlechtern  blieb Mauritius Reichspatron. In diesem Zusammenhang ist zu bemerken, dass vom 12. Jahrhundert an die Kaiser in St. Peter zu Rom am Mauritiusaltar gesalbt wurden.[2]

[1] Brackmamm, A.: Die politische Bedeutung der Mauritius-Verehrung im frühen Mittelalter. In: Gesammelte Aufsätze, Weimar 1941, S. 211 ff

[2] Eichmann, E.: Der Kaiserkrönungsordo "Cencius II". In: Miscellanea Francesco Ehrle II, Rom 1924 (Studi e testi 38), S. 322-337