Darstellungen des hl. Mauritius als Ritter und Mohr

Seit dem 12. Jh. wurde Mauritius als „herzoge der More“ bezeichnet, so in der Deutschen Kaiserchronik. Zunächst wird er vereinzelt, wie etwa in Magdeburg, dann vom späten 14. Jh. an häufig als Schwarzafrikaner dargestellt.[i] Der Ursprung dieser Darstellung liegt in und um Magdeburg. Insbesondere im 15. und 16. Jahrhundert erfreute sich die Darstellung als Mohr besonderer Beliebtheit im mitteldeutschen Raum. Im Linksrheinischen und somit auch in Tholey ist die Darstellung als Mohr nicht üblich. Nur in der Barockzeit gibt es für Tholey einen derart „exotischen Beleg“. Abt Caspar de Roussel (1712-1730) ließ 1715 ein Teehaus bauen und erwarb in der damals zu Frankreich gehörenden Kolonie Louisiana (heute USA) einen jungen Mohren. [ii] Dieser verrichtete in der Abtei ähnlich den Kammermohren an den Fürstenhöfen seinen Dienst. Sein in Tholey erteilter Taufname Mauritius stand in der Tradition der Magdeburger Mohren-Darstellung.

[i] Suckale-Redlefsen, Gude: Mauritius: Der heilige Mohr. The Black Saint Maurice. München 1986

[ii] Zimmermann, W.: Die Kunstdenkmäler der Kreise Ottweiler und Saarlouis, Düsseldorf 1934, S. 108-138, besonders S. 130. Theis, K.; Naumann, J:  Die Einwohner der Pfarrei Tholey bis 1806, in Vorbereitung

Tholeyer Mauritius-Schrein mit Unterarmknochen des hl. Mauritius. Das Schaureliquiar stammt vom Beginn des 18. Jahrhunderts.