Saarbrücker Zeitung, St. Wendel, 15./16.05.2010,
von SZ-Mitarbeiterin Margarete Stitz
Mal verhalten, mal bunt schillernd
François Houbart eröffnete die internationalen Orgeltage in Tholey
François Houbart spielt an der Orgel in Tholey. Foto: b & k
Normalerweise spielt François Houbart in Paris die Orgel. Am Donnerstag war der Pianist in der Abteikirche in Tholey zu Gast. Das Konzert war der Auftakt zu den internationalen Orgeltagen.
Tholey. Eine fruchtbare deutsch-französische Begegnung war das Konzert des Pariser Meisterorganisten François Houbart in der Tholeyer Abteikirche. Zugleich war es ein Neuanfang der traditionsreichen internationalen Orgeltage, die nun durch den Saarbrücker Kantor Bernhard Leonardy in das Festival „Orgel ohne Grenzen“ integriert wurden.
Houbart machte französische Barockmusik, umrahmt von Kompositionen Johann Sebastian Bachs, zum Schwerpunkt seines Programms. Während eine Art Fantasie in G-Dur ebenso wie die berühmte Passacaglia in c-Moll von Bach und Couperins Offertorium aus der „Messe à l'usage des Paroisses“ die Möglichkeiten des Instruments voll ausschöpften, zeigten die auf Melodien basierenden Werke besonders die ornamentale Vielfalt dieser Zeit.
Hohe Kunst des Triospiels zeigte Bachs lieblich bewegte „Aria in F“ nach Couperin. Der Pfingsthymnus „Veni Creator Spiritus“ war für Nicolas de Grigny Vorlage für eine prunkvoll-virtuose Ausgestaltung. André Raison, eine Generation älter und weniger bekannt, variierte in einem Offertorium das profane Lied „Vive le Roy des Parisiens“: entsprechend festlich und fröhlich war die Grundstimmung der Variationen.
Mit der Fantasie in Es-Dur von Camille Saint-Saëns, eines seiner Vorgänger an der Orgel der „Madeleine“ in Paris, begab sich Houbart in die Welt der Romantik. Sowohl der kapriziöse Anfang mit zartesten Registern als auch die stetig crescendierende Steigerung mit den rhythmusbestimmenden Nachschlägen stellte er wirkungssicher in den sehr orgelfreundlichen Raum. Mit Spannung erwartet war die Improvisation, in der Houbart zur Weltklasse zählt.
Er hatte dazu das Kirchenlied zu Christi Himmelfahrt „Ihr Christen, hoch erfreuet euch“ ausgewählt. Er präsentierte es zunächst ganz verhalten, um dann vor dem bunt schillernden und vibrierenden Hintergrund spannungsgeladener Mehrfachklänge einzelne Register gegeneinander auszuspielen, Melodiefragmente zu rhythmisieren und eine gehaltvolle große Form zum furiosen Finale zu führen. Der „Maître“ bedankte sich für den herzlichen Beifall - wieder mit Couperin.