Benediktinerabtei St. Mauritius zu Tholey

Benediktinerabtei St. Mauritius zu Tholey

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Dr. Petrus-Borne-Zentrum

Zentrum für Spiritualität und Kultur

Benediktsregel, Abt Petrus Borne und das Zentrum

  • Bruder Wendelinus
  • Br. Wendelinus Naumann OSB
    Leiter des Petrus Borne Zentrums

Br. Wendelinus Naumann OSB ist der neue Leiter des Petrus-Borne-Zentrums. Br. Wendelinus wurde am 12. Mai 1972 geboren. Kindheit und Jugend verbrachte er in Thalexweiler, wo er auch bis zum Eintritt ins Kloster lebte. Nach dem Besuch der Grundschule in Aschbach wechselte er an das Johannes-Kepler-Gymnasium in Lebach, wo er dann auch das Abitur machte. Nach dem Abitur folgte das Studium der Geschichte in Saar-brücken. Neben seiner Familie war für ihn der Kontakt zu Prof. Jean Schaub in Europäischen Kulturpark prägend. Ihm durfte er in der Münzkunde assistieren und lernte europäischen Geist in der Großregion kennen. Nach seiner Tätigkeit in Europäischen Kultur-park Bliesbruck-Reinheim, die nach dem Tod von Prof. Schaub auslief, wurde er ab 2000 verstärkt als Sach-buchautor tätig. Neben der Herausgabe eigener Arbeiten war er zeitweise Leitender Redakteur der Zeitschrift für die Geschichte der Saargegend und Saargeschichte(n). Etliche Monographien und über 100 Artikel in regionalen und überregionalen Zeitschriften durfte er bereits verfassen.

Monastische Hintergründe – aus der Regel des heiligen Benedikt

Die Regel des hl. Benedikt hält den heutigen Christen dazu an, den Leitspruch „ora et labora“ als einen Weg anzusehen, die Nächstenliebe zur Perfektion zu bringen, was so viel bedeutet wie näher bei Gott zu sein. Für den heiligen Benedikt ist das Gebet die Quelle, aus der er die Kraft für die Arbeit schöpft und die Arbeit ist Umsetzung und Frucht des Gebetes. Wahr ist, dass das Gebet das Herz des Klosterlebens ist. Jedoch sah der heilige Benedikt auch die Notwendigkeit der Arbeit, um das Leben der Gemeinschaft zu erhalten. Die Regel warnt gar davor, dass Faulheit der Feind des Geistes sei (vgl. Philibert Schmitz, Règle de Saint Benoit n. 48, Turnhout-Belgium: Brepols 1987, p.111). Daher weihen die Mönche gewisse Stunden der Arbeit, in der Vergangenheit als körperliche Arbeit bezeichnet, und andere Stunden dem Lesen. Wichtig ist dabei, dass die Zeiten des öffentlichen liturgischen Gebetes die Zeiten für Lesen, Studien und körperliche Arbeit bestimmen – nicht umgekehrt. „Die Arbeitszeit der Mönche sollte so geregelt sein, dass sie in einem ausgewogenen Verhältnis zur geistlichen Lesung und zum Gebet steht und sich nach Möglichkeit in den Tagesablauf des klösterlichen Lebens einfügt.“ (vgl. Die Beuroner Benediktinerkongregation, Directorium Spirituale, X., Nr. 43, Maria Laach 2003).

Gebet und Arbeit sind im spirituellen Leben der Benediktiner in den Rahmen des kirchlichen Apostolates, d.h. den Dienst in der Kirche eingebunden. Das Leben des heiligen Mönches Martin von Tours, des Patrons der Beuroner Kongregation (vgl. Direktorium für die Feier der Liturgie in der Beuroner Benediktinerkongregation: Beuroner Kunstverlag, 2009 S. 96) ist ein leuchtendes Vorbild für die gelungene Verbindung von Mönchtum und Apostolat. In eben jener Kongregation ist jegliche Arbeit nie ein Ausdruck von Individualismus, sondern erfährt ihren eigentlichen Wert erst im Rahmen eines gemeinschaftlichen Lebens und der Organisation einer solchen Gemeinschaft.

Im Gegensatz zu vergangenen Tagen ist „Arbeit“ heutzutage nicht mehr nur auf körperliche Arbeit beschränkt, sondern kann vielmehr körperliche wie geistige Dinge bezeichnen: geistige Führung oder Bildung, sei sie nun wissenschaftlich oder künstlerisch. „In den Klöstern der Beuroner Kongregation sind im Rahmen der gemeinschaftlichen Ordnung die verschiedenartigsten Aufgaben und Arbeiten möglich, seien es körperliche oder geistige, seelsorgliche oder schulische, wissenschaftliche oder künstlerische.“ (vgl. Directorium Spirituale, X., Nr. 41). Was wirklich zählt ist der Geist, in dem ein Mönch seine Aufgabe erledigt, also in Liebe, Gehorsam und Demut. Er möge sich stets daran erinnern, dass er als Mönch in einer Gemeinschaft lebt (ebd. Nr. 44).

Der Namensgeber – Erinnerungen an Dr. Petrus Borne OSB

Petrus Borne wurde am 12. Februar 1910 in Prümzurlay in der Eifel geboren. Nach seinem Abitur im Jahre 1929 trat er in den Benediktinerorden St. Matthias in Trier ein. Er studierte Philosophie und Theologie und wurde 1936 zum Priester geweiht. Nach seinem weiteren Studium an der Ordenshochschule Sant‘ Anselmo in Rom wurde ihm der Doktor-Titel verliehen.

  • Dr. Petrus Borne

1947 in St. Matthias zum Abt gewählt, griff er bereits im folgenden Jahr Anregungen auf, mit einem Teil des Trierer Konvents die aufgehobene Abtei St. Mauritius in Tholey wieder zu besiedeln.

Dr. Petrus Borne, der erste Abt von Tholey nach der Wiederbesiedlung, beschritt den Weg Christi durch seine Berufung als Benediktinermönch. Er wurde sicherlich auf die ein oder andere Art und Weise vom Beispiel des hl. Martin von Tours inspiriert.

Als Nachfolger von Pater Gredt am Sant‘ Anselmo Lehrstuhl für Philosophie in Rom, war er 11 Jahre lang Teil der wissenschaftlichen Forschergemeinschaft. Zurück in Tholey hielt er nicht nur Vorträge in Philosophie und Theologie, er beteiligte sich auch an den Bemühungen, die Universität des Saarlandes zu gründen (vgl. Sabine Schwickert, Leben und Werk des Tholeyer Abtes Dr. Petrus Borne. Wissenschaftliche Prüfungsarbeit, Universität Koblenz-Landau, Abteilung Landau, 25 Oktober 1996, Inhaltsverzeichnis, S.36).

Als Abt bereicherte Dr. Petrus Borne nicht nur das innerklösterliche Leben sondern auch die ganze Gemeinde Tholey. Darüber hinaus konnte sich Abt Petrus Borne der finanziellen, moralischen und wohlgesinnten Unterstützung der Regierung des Saarlandes gewiss sein. Diese Unterstützung manifestierte sich unter anderem in der Anwesenheit hoher politischer Vertreter zu eben jenem 25-jährigen Jubiläum. Der damalige Justizminister Alois Becker betonte bei dieser Gelegenheit die Verdienste von Abt Petrus im Zusammenhang mit dem Wiederaufbau der Abtei (vgl. Saarbrücker Zeitung vom 13. März 1972).

  • Tholeyer Konvent 1966
  • Tholeyer Konvent 1966 mit Patriarch Paul II Chaikho

Der „Paulinus“ schrieb in seiner Ausgabe vom 14. März 1976: „Abt Petrus hatte viele Freunde, nicht nur an der Saar, sondern auch in Luxemburg, Frankreich und in Italien.“ Es sei noch erwähnt, dass unter anderem durch die Bemühungen von Abt Dr. Petrus Borne Tholey einen freundschaftlichen Kontakt nach Frankreich aufbauen konnte. Gegründet wurde seinerzeit die Deutsch-Französische-Begegnungsstätte, deren Symbol bis heute der Schaumbergturm darstellt. Für diese Bemühungen erhielt er 1973 den Titel des „Chevalier de la Légion d’Honneur“, Ritter der Ehrenlegion. Darüber hinaus wurde die Abtei unter Abt Petrus auch ein Treffpunkt verschiedenster Konfes-sionen. Hierzu schrieb der „Paulinus“ (ebd.): „Seine ökumenischen Kontakte reichten von deutschen Protestanten über französische Altkatholiken bis zum unierten Patriarchen von Babylon im Irak.

Auch als Abtpräses war Petrus Borne allseits sehr geschätzt und anerkannt. So schrieb der „Paulinus“ (ebd.): „Sein Herz war zu weit, sein Verstand zu klar und sein lebendiger Glaube zu tief, als dass man ihn in gängige Kategorien von konservativ oder progressiv einordnen könnte.“

Trotz der anspruchsvollen und zeitraubenden Arbeit durch die verschiedenen Ämter lagen Abt Petrus die klösterlichen Pflichten bis zu seinen letzten Lebensjahren sehr am Herzen. Er nahm sich nicht nur Zeit für die „lectio divina“ (Lesung, Meditation, Gebet, Verweilen im Dialog mit Gott), es verging auch kein Tag, an dem er nicht eine Seite aus Thomas von Aquins Summa Theologica las (vgl. Tholeyer Brief, Abtei St. Mauritius Tholey, Ostern 1978, S.11). Er liebte seine Gemeinschaft und seine Gemeinschaft liebte ihn. Er besuchte sogar trotz seines schlechten gesundheitlichen Zustandes infolge einer Operation die Abtei zu Weihnachten 1975 um mit der Gemeinschaft der Mönche zu Tisch zu sein, die Ruhe zu genießen und die Vesper mit zu feiern - es sollte sein letztes Weihnachtsfest sein (ebd. S. 12).

Er starb am 03. März 1976 in Homburg an der Saar.

Dr. Petrus Borne lebte das benediktinische Prinzip „ora et labora“ als Mönch, Philosophieprofessor, Abt und später als Abtpräses der Beuroner Benediktiner-kongregation.

Für die Mönche der Benediktinerabtei zu Tholey ist der verstorbene Abt auch heute noch ein großes Vorbild. Um ihm ein ehrendes Andenken zu bewahren und die Abtei in seinem Sinne weiter zu entwickeln, wurde beschlossen, das „Dr. Petrus-Borne-Zentrum“, ein Zentrum für Spiritualität und Kultur zu errichten.

Dr. Petrus-Borne-Zentrum – der Grundgedanke, die Ziele

Die geistigen und kulturellen Aspekte des Menschen sind zwar unterschiedlich, ergänzen sich aber gegenseitig. Beide sind in der Lage, die Wahrheit der Realität abzubilden. Abt Dr. Petrus Borne selbst unterschied vier Arten der Wahrheit: logische, ontologische, künstlerische und göttliche Wahrheit (vgl. Gedenken – Abt Petrus Borne, Cat. 1, Abtei-Tholey Archiv). Göttliche Wahrheit wird durch das Geschenk des Glaubens erlangt, das vom spirituellen Aspekt des Menschen genährt wird, wohingegen die anderen drei Arten durch den Verstand erlangt und in gewisser Weise in der kulturellen Dimension des Menschen gepflegt werden.

Die spirituellen und kulturellen Aspekte des menschlichen Lebens entsprechen dem, was „fides et ratio“ (Glaube und Vernunft) als die zwei Flügel bezeichnet, mit denen sich der menschliche Geist zur Betrachtung der Wahrheit erhebt, so die einleitenden Zeilen der Enzyklika von Papst Johannes Paul II aus dem Jahre 1998. Das Spirituelle und das Kulturelle im Menschen gehören zusammen. So schreibt der hl. Thomas von Aquin: „Die Wahrheit, die die menschliche Vernunft fähig ist, zu erkennen, kann der Wahrheit des christlichen Glaubens nicht entgegenstehen.“ (vgl. Summa contra gentiles, I, 7).

  • Bauarbeiten am Dr. Petrus-Borne-Zentrum
  • Im Hintergrund das neue Dr. Petrus-Borne-Zentrum

Basierend auf den genannten Aspekten, besteht das generelle Ziel des Dr. Petrus-Borne-Zentrums also darin, die Harmonie zwischen spiri-tueller Reife und werthaltiger kultureller Bildung in unserer modernen Gesellschaft zu fördern. Dieses Ziel wird durch die Regel des hl. Benedikt inspiriert, die geschrieben wurde als Leitfaden für jedermann, mit dem Ziel, den Menschen zu jeder Zeit mit Gott in Kontakt zu bringen. Die Veranstaltungen des Zentrums sollen nicht nur Schülern und Studenten sondern auch Frauen und Männern, Arbeitern und Angestellten, Lehrern und Professoren, kurzum allen, die sich für den christlichen Glauben interessieren, offen stehen.

Das Zentrum dient in erster Linie der Information und dem Bildungsangebot sowohl lokaler wie auch internationaler Öffentlichkeit. Um ein möglichst breites Spektrum abzudecken, wird angestrebt sowohl mit regionalen als auch mit weltweit agierenden Universitäten zusammen zu arbeiten, etwa im Rahmen gemeinsamer Veran-staltungen.

Zum zweiten zielt das Zentrum darauf ab, die in der Benediktiner Regel (vgl. Die Beuroner Benediktinerkongregation S. 75 zu Kap. 53) ausdrücklich erwähnte Gastfreundschaft neu zu bekräftigen. Interessierte Menschen, alle die nach Wahrheit und Werten, Ruhe und Frieden suchen, sollen die Möglichkeit erhalten, als Gäste das Leben der benediktinischen Mönche kennenzulernen und mit zu erleben. Sie sollen die Chance haben zu erfahren, dass das Kloster ein wohltuender Ort der Stille, der Gottesbegegnung und des Friedens ist (ebd. S. 139). Diese Erfahrung mag zunächst vielleicht nur eine Ablenkung vom hektischen Alltag sein, kann aber in die Zukunft gesehen durchaus auch dazu beitragen, neue Mitglieder für den Orden zu gewinnen. Denn nur eine sich erneuernde monastische Gemeinschaft kann der Abtei und auch der Gemeinde neue Impulse geben und sie bereichern.

Am 12. Februar 2010 wurde das Dr. Petrus-Borne-Zentrum mit einem Kolloquium zum Thema „Die Fragilität des menschlichen Wesens“ eröffnet. Professoren der „University of Saint Thomas“ (Angelicum, Rom), der Universität „Notre-Dame de la Paix“ (Namur, Belgien), der Universität des Saarlandes und weitere deutsche Professoren nahmen teil. Dieses Datum fiel auf den sich zum 100. Mal jährenden Geburtstag des verstorbenen Abtes Petrus Borne.